Strickkleid schnell und einfach: Schnittkonstruktion und Näh-Tutorial

Basic-Schnitt-Tutorialstrickkleid

 

Es gibt  diese Schnitte, Basics, die man mit kleinen Veränderungen immer wieder auflegen kann, für engere Kleider ebenso wie für Pullis. Dadurch ist so ein Lieblingsstück schnell genäht, steht der Schnitt erst einmal. Für Weihnachten fiel mir ein, dass ich noch so ein Stück bräuchte, da ich einfach nichts für diesen Abend zum Anziehen hatte. Und der Winter müsste ja auch bald mal einsetzen, so dass ich dieses warme Strickkleid auch später ins Büro anziehen könnte, also setzte ich mich kurz 2 Stunden dran und fertig war das kuschelige Wohlfühlkleid. Ein auffälliges Muster sorgt dafür, dass der Schnitt umso einfacher gestaltet sein kann, bei so einem dickeren Strickstoff geht das auch gut ohne Abnäher.

Mein Grundschnitt steht schon seit Jahren, daher geht’s besonders schnell. Wer noch einen braucht findet hier die

Anleitung zur Schnittkonstruktion:

Meine Maße, in Unterwäsche glatt am Körper gemessen:

Oberweite: 91 cm (gelbes Maßband)

Taille: 80 cm (rosa Band)

Hüfte: 88 cm (blaues Maßband)

 

Grundkenntnisse der Schnitttechnik:

Das Grundgerüst eines Kleiderschnittes, den wir hier erst mal ohne Abnäher konstruieren, basiert auf den Maßen des Brustumfangs, Taillenumfangs und Hüftumfangs und den Abständen zwischen diesen bzw. zum Saum hin, also der gesamten Kleiderlänge.

Der Schnitt wird bei einem relativ engen Kleid und einem recht dehnbaren Stoff mit einer zusätzlichen Weite von 2-6 cm gestaltet, ich habe mich für 4 cm entschieden, das heißt +1cm für das halbe Vorderteil und +1cm für das halbe Rückenteil. Die auf dem Schnittpapier abzutragenden Maße ergeben sich dann wie folgt:

Vorderteil (und genauso auch Rückenteil, da bei so einem einfachen Schnitt das Vorderteil nicht größer als das Rückenteil gearbeitet werden muss):

1/4 Oberweite = 23,75 cm (91:4+1)

1/4 Taille = 21 cm (80:4+1)schnittkonstruktion_kleid (4)

1/4 Hüfte = 23 cm ( 88:4+1)

Kleidlänge = 86 cm

Um die korrekte Höhe für Oberweite, Taille und Hüfte zu bestimmen, werden noch weitere Maße benötigt. Dazu messe ich von der Halsspitze (höchster Punkt, zwischen Hals und Schulter) erst bis zur Brustspitze und lege die Brusthöhe (grünes Bändchen) fest. Dann messe ich weiter bis zur Taille und habe die Taillenhöhe (dunkles Bändchen) und weiter bis zur Hüfte für die Hüfthöhe (rotes Band). Ich erhalte folgende Ergebnisse:

  1. Brusthöhe  = 25 cm
  2. Taillenhöhe  = 16 cm (also auf Höhe von 41 cm)
  3. Hüfthöhe  = 16 cm (also auf Höhe von 57 cm)

Ich habe zur besseren Sichtbarkeit und Erleichterung der Konstruktion das Seidenpapier mit Raster von Burda genommen und für Vorder- und Rückenteil die Seite gewählt, an der die Numerierung auf dem Papier beginnt.

schnittkonstruktion_kleid (1)

Und so wird’s gemacht:

  1. Ich bügele den zu benutzenden Teil des Papieres glatt, damit die Knicke nicht zu Ungenauigkeiten führen.
  2. Für die Linien lege ich mir einen Reverswinkel Leichtmetall zurecht, damit kann ich schön rechte Winkel auch an schrägen Stellen konstruieren, die wichtig sind, damit die entsprechenden Stellen nicht zipfeln, darüber hinaus hilft die leicht gebogene Kante bei der Erstellung schöner Rundungen, s.u. etwa beim Ärmel. Natürlich erfüllt auch ein Reverswinkel aus Kunststoff seinen Zweck.
  3. Dann beginne ich damit, 1/4 Schnitt, also 1/2 Vorderteil auf dem Papier zu konstruieren. Rechts ist oben (Hals+ Schulter), links unten, der Saum des Kleides. Ich messe bei einem gut sitzenden T-Shirt die vordere Breite von Armloch zu Armloch und bestimme so die Gesamtlänge von Schulterlänge inclusive Halsausschnitt. Das sind 37 cm. Die Hälfte, 18,5 cm trage ich oben auf meinen Schnitt als Hilfslinie (rechts im Bild) ein. Ich messe 86 cm runter für die Kleidlänge und zeichne die Linie für den Saum (links im Bild). Die Weite unten soll der Hüftweite entsprechen, das Kleid also gerade runter laufen, daher ist meine Saumlinie 23 cm lang. schnittkonstruktion_kleid (6)
  4. Nun werden je 1/4 Oberweite, Taillenweite und Hüftweite auf das Rasterpapier übertragen, undzwar in der jeweiligen, mit den Bändchen ausgemessenen, Höhen:
    1. auf der Höhe von 25 cm die Oberweitenlinie Breite 23,75 cm
    2. auf der Höhe von 41 cm die Taillenlinie Breite 21 cm
    3. auf der Höhe 57 cm die Hüftlinie Breite 23 cmschnittkonstruktion_kleid (7)
  5. Jetzt wird die Seitennaht mit dem Kurvenlineal schön entlang der Markierungspunkte ausgeführt. Dieses Gerät ist unverzichtbar, um schöne gerundete Linien und so enge Kurven hinzubekommen, die Biegung des Reverswinkels wäre da zu groß. Aber dieses Gerät ist weich und biegsam und doch in sich stabil genug, um keine Knicke und Spitzen zuzulassen.schnittkonstruktion_kleid (8)
  6. Als Nächstes folgen Halsausschnitt und Schulter. Ich hatte für beides zusammen 37 cm gemessen. Jetzt überlege ich, wie weit mein Halsausschnitt werden soll. Für ein Winterkleid mag ich ihn nicht zu tief im Brustbereich ausgeschnitten, damit er aber nicht klassisch eng und rund wird und ich noch einen Reißverschluss bräuchte, mache ich ihn wenigstens etwas breiter im Schulterbereich, einen Carmen-Ausschnitt. Ich entscheide mich für 5 cm Schulterlänge, so dass der 1/2 Halsausschnitt mit 13,5 cm eingezeichnet werden kann. Vorher messe ich nochmals nach: 13,5 x 2 = 27 cm. Ich halte mir die 27 cm an den Hals und stelle fest: das ist ok. Wie tief dieser schmale Halsausschnitt werden soll messe ich von meinem höchsten Schulterpunkt, der Halsspitze (am Halsansatz) her: 6 cm müssten genügen. Weiter ausschneiden kann ich immer noch, wenn es mir nicht gefällt, anstückeln ist schwieriger. Ich zeichne also ein:
    1. Halsausschnitt 6m tief und 13,5 cm lang, ich nehme das Kurvenlineal für die Rundung zu Hilfe, an der Vorderen Mitte VM trifft der Halsausschnitt im rechten Winkel auf
    2. Schulter 5 cm lang. Ich neige sie leicht, ca. 1 cm, das entspricht der normalen, nicht übermäßig geraden oder stark hängenden Schulter. Am höchsten Schulterpunkt, der Halsspitze (Schnittpunkt zwischen Schulter und Halsansatz) müssen sich Schulterlinie und Halsausschnitt schön im rechten Winkel treffen, sonst fehlt nachher die Ecke.
  7. Nun mache ich mir Gedanken darüber, wie tief ich den Armausschnitt haben möchte. Je tiefer er ist, desto legerer und weiter wird nachher auch der Ärmel, das ist zwar sinnvoll wenn man noch was drunter anziehen möchte, wie etwa bei einer Jacke oder Pulli, hier möchte ich jedoch einen recht eng anliegenden Ärmel. Auch die Gefahr, dass ein zu kleines Armloch und ein zu enger Ärmel bei unsauberer Schnittkonstruktion zu Kneifen im Rückenbereich führt, ist bei einem so hoch dehnbaren Strickstoff nicht gegeben. Ich setze also das Armloch 5 cm oberhalb der Brustlinie an (Punkt A). Ich beginne mit der Armlochlinie wieder im rechten Winkel zu Seitennaht, mache da einen Strich für den Anfang und an der Schulternaht (Punkt B) eine Anfangslinie im rechten Winkel zum Armloch hin, sonst steht die Schulternaht nachher mit einer Ecke nach innen, der Ärmel zieht sich mit einer Spitze da hinein, was nicht schön aussieht. Anfang und Ende des Armlochs verbinde ich jetzt mit dem Kurvenlineal durch eine schöne Rundung. Ich messe die Rundung, um den Ärmel erstellen zu können und schreibe die gemessenen 22 cm dran.schnittkonstruktion_kleid (10)
  8. Für das Rückenteil zeichne ich lediglich den rückwärtigen Halsausschnitt extra ein (Linie R), der Rest bleibt gleich, so dass ich das Vorderteil auch als Rückenteil verwenden kann. Ich mache ihn nur 2 cm tief, da ich es im Nackenbereich unangenehm finde, wenn es zu kalt ist. Auch hier achte ich auf einen rechten Winkel, sowohl beim Ansatz zur Vorderen Mitte (VM), die jetzt auch gleichzeitig HM, hintere Mitte ist, als auch einen rechten Winkel zur Schulternaht.schnittkonstruktion_kleid (11)
  9. Der Schnitt wird nun dem Rückenteil entsprechend ausgeschnitten. Die Abweichung am Vorderteil, den tieferen Halsausschnitt, schneide ich nur an. So kann ich das Teil nicht verlieren. Beim Zuschnitt lässt es sich wegklappen. Ich schneide mit einem extra Rollschneider zu. Nicht mit meinem guten, dessen Klinge nur Stoffe berühren darf. Ich nahm früher lieber kleinere Rollschneider. Jetzt habe ich festgestellt, dass die großen genauso wendig sind aber größere exakte Strecken schaffen, sind mir diese lieber. Der alte, kleine Rollschneider bleibt für’s Papier. Keine Verwechslungsgefahr.

 

schnittkonstruktion_kleid (12)

10. Für die Ärmelkonstruktion nehme ich erst mal Maß an meinem Oberarm, um die Weite des Ärmels festlzulegen. Oberarmweite = 28 cm. Ein Taillenmaßband mit Haken bewährt sich immer wieder gut, nicht nur zur korrekten Feststellung der Taille, weil durch das Einhaken eine schöne Fixierung möglich ist.

Dann messe ich die untere Ärmelweite an der Stelle, wo der Ärmel enden soll. Das ist bei mir auf der Hälfte des Unterarmes, für 3/4 Ärmel, sonst eben dort wo der Ärmel enden soll, etwa am Handgelenk. Unterarmweite = 20 cm. Auch hier gebe ich jeweils 4 cm zu (beim langen Ärmel bis zum Handgelenk genügen auch 2 cm Weitenzugabe). Die Ärmelbreite beträgt demnach 32 cm oben und 24 cm unten.

Jetzt wird die Ärmellänge gemessen. Sie soll 44 cm betragen, das ist relativ kurz, ich mag 3/4 Ärmel (für einen langen Ärmel kann 50-60 cm angesetzt werden, je nach gemessener, gewünschter Länge, die Konstruktion wird ebenso erstellt):

Oberarmweite = 28 cm, Ärmelbreite oben = 32 cm

Unterarmweite = 20 cm (3/4 Ärmel), Ärmelbreite unten= 24 cm

Ärmellänge = 44 cm (3/4 Ärmel)

Ich möchte nur den halben Ärmelschnitt konstruieren, die andere Hälfte erhalte ich durch Spiegelung, damit beide Seiten gleich sind. Das geht bei so einem dehnbaren Strickstoff ganz gut, bei nicht dehnbaren Materialien sollte der rückwärtige Ärmelbereich für mehr Bewegungsfreiheit etwas größer sein. Aber hier wollen wir einen sehr einfachen Schnitt konstruieren.

Ich ziehe daher nach der halben Oberarmweite, also 16 cm, eine Mittellinie für den Ärmel (Ärmelmitte), später auch als Fadenlauf zu verwenden. Diese Hilfslinie im Abstand von  16 cm zum Seitenrand wird 44 cm lang oder entsprechend der sonst gewünschten Ärmellänge. Unten (rechts im Bild) trage ich die untere Ärmelkante ein (Ärmelsaum), 24 cm, jeweils 12 cm rechts und links von der Mittellinie.

 

schnittkonstruktion_kleid (14)11. Nun wird die Armkugel konstruiert: das Armloch war 22 cm lang auf jeder Seite, Vorder- und Rückenteil. Für eine schön fallende Armkugel sollte der Ärmel 2-4 cm insgesamt mehr Weite als das Armloch haben, also 1-2 cm pro Seite. Ist der Ärmel zu eng „implodiert“ er, das heißt er beult unschön nach innen. Ich habe mich hier für 4 cm mehr Weite entschieden, d.h. 2 cm pro Seite, da die in so einem dicken Strickstoff problemlos unterzubringen ist und der Ärmel fülliger aussieht. Diese 22+2 = 24 cm verteile ich jetzt in einer schönen Rundung von der Spitze der Mittellinie zum Rand. Ich halte dafür das Kurvenlineal bei 24 cm fest und biege es so, bis ich von der Spitze, also der höchsten Stelle der späteren Armkugel bis zum Seitenrand eine Kurve von 24 cm zeichnen kann. Die Armkugel ist fertig.

 

schnittkonstruktion_kleid (15)12. Jetzt wird der untere Ärmelteil gezeichnet. Von der Armkugel aus wieder ein kleiner Strich im rechten Winkel nach unten abgehend. Von der unteren Nahtkante des Ärmels wird ebenfalls im rechten Winkel ein Ansatz-Strich im rechten Winkel für die Seitennaht gesetzt. Werden solche Kanten nicht rechtwinklig gearbeitet gibt es nachher unschöne, nach innen gehende, Zacken. Diese beiden Ansatzlinien werden jetzt mit dem Reverswinkel in einer leichten Kurve verbunden.

 

schnittkonstruktion_kleid (16)

13. Den halben Ärmel exakt ausschneiden, die andere Hälfte großzügig, damit die konstruierte Ärmelhälfte gespiegelt werden kann.

 

 

schnittkonstruktion_kleid (17)14. Den halben Ärmelschnitt umklappen und auf die andere Papierseite übertragen. Darauf achten, dass die Armkugel oben schön flach ist (jeweils ein rechter Winkel zur Mittellinie besteht) sonst gibt es eine unschöne spitze Armkugel.

schnittkonstruktion_kleid (18)15. Der Schnitt ist nun fertig und einsatzbereit. Er kann auf den Stoff gelegt werden. Da er keine Nahtzugaben enthält, sollten diese mit ca. 1 cm Abstand auf den Stoff aufgezeichnet werden.

 

strickkleid-schnitt1616. Wer sich nicht zutraut 4 cm Zusatzweite der Armkugel später im Stoff einzuarbeiten kann die Armkugel von 24 cm auf 23 cm verkleinern und muss dann nur 2 cm einhalten, s. gestrichelte Linie im Armkugelbereich. Schnitt falten. Entlang dieser Linie kann die Ärmelkugel neu ausgeschnitten werden. Durch die Spiegelung sind wieder beide Seiten identisch.

 

Fertigung

An Stoffmenge benötigt man grundsätzlich  bei einem engen Kleid ohne Drapierung oder überlappende Teile:

1 x Kleidlänge plus

1 x Ärmellänge plus

15- 20 cm für die Nahtzugaben.

Dies gilt, wenn der Stoff mindestens 1,35 cm breit ist bzw. der eigene Brust- oder Hüftumfang + 10 cm nicht größer als die Stoffbreite ist. Kommt noch ein Kragen dazu, muss dessen Höhe x 2 (für den Beleg) hinzugerechnet werden.

Jetzt geht es an den Zuschnitt des Stoffes.

strickkleid-naehen (2)Ich hatte einen wollig-warmen Merino-Strickstoff ausgewählt, mit Bordüre. Ich hätte den Schnitt auch so auflegen können, dass die Streifen-Bordüre den unteren Abschluss des Kleides darstellt. Ich wollte den Strickstoff aber nicht quer, sondern lieber längs, also im ursprünglichen Fadenlauf, nehmen, weil mir das Muster so besser gefiel, deshalb habe ich die Bordüre abgeschnitten und am Ende als Saum unten wieder angenäht.

strickkleid-naehen (3)Ich habe meinen alten, zig-fach verwendeten Schnitt aufgelegt, den ich seit Jahren immer nur ein wenig abändere, je nachdem, ob ich den Ausschnitt gerade größer oder kleiner haben will, die Gesamtweite variiere ich durch Abknicken an VM und in der Seite und die Gesamtlänge zeichne ich mit der Kreide an. Die oben abgebildete Schnittkonstruktion habe ich nachträglich, zu Lehrzwecken aufgestellt.

Da sowohl Vorderteil als auch Rückenteil am Stoffbruch aufgelegt werden müssen (wir wollen ja keine Naht vorne oder hinten, auch keine Knöpfe, Reißverschluss etc.) faltet man  ein dem Vorderteil + Nahtzugabe entsprechend großes Stück Stoff um (hier ca. 50 cm) und legt das Vorderteil mit der VM an die Stoffbruchkante. Bitte darauf achten, dass der Stoff mit gleichem Abstand umgeklappt wird, die Stoffbruchkante also im Fadenlauf liegt, sonst bekommt man später einen Dreher ins Kleid (die Seitennaht zieht sich schräg nach hinten bzw. nach vorne).

Wer den Schnitt nicht mit Nadeln feststecken möchte und keine alten Gewichte mehr rumliegen hat, kann z.B. Fixiergewichte von Prym verwenden. Früher gab es da schöne große, jetzt leider nur noch recht kleine. Nahtzugabe mit ca. 1-1,5 cm anzeichnen und ebenso die Gesamtlänge.

Mit dem Rückenteil verfahre ich ebenso: Stoff von der anderen Seite umklappen (ca. 50 cm), kontrollieren, ob der umgeklappte Streifen überall gleichmäßig breit ist, Schnitt mit der rückwärtigen Mitte an den Stoffbruch legen, mit Fixiergewichten beschweren, Nahtzugabe anzeichen und ausschneiden.

Ich schneide lieber mit dem Rollschneider aus, als mit der Schere, da es schneller geht und die Ränder präziser sind. Außerdem wird der Stoff nicht, wie mit der Schere, angehoben, so dass der Schnitt wegrutschen könnte. Und man kann schnell die Klinge auswechseln, wenn sie mal stumpf ist, ohne zum Scherenschleifer laufen zu müssen.  Allerdings braucht man dafür auch eine Schneidematte, sonst wird der Tisch verletzt.

 

strickkleid-naehen (5)Nun werden die Ärmel ausgeschnitten. Auch hierfür wird der Stoff doppelt gelegt. Da mein Stoffstück etwas knapp bemessen war, musste ich am Stoffbruch anlegen. Die beiden Ärmel können dann am Ärmelsaum durchgeschnitten werden.

strickkleid-naehen (6)Eigentlich müssten an dieser Stelle alle Teile versäubert werden. Dieser Strickstoff franst aber nicht, daher verzichte ich darauf.

Vorder- und Rückenteil werden nun aufeinander gelegt, rechts auf rechts. Die Seiten und Schultern werden mit Stecknadeln quer zur Naht festgesteckt. Das hat den Vorteil, dass man die Stecknadeln beim Nähen mit der Nähmaschine nicht übernäht und Gefahr läuft, die Nähmaschinennadel abzubrechen. So spart man sich das Heften, von Hand oder mit dem größten Stich, den die Nähmaschine hergibt. Das Heften hat natürlich auch einen Vorteil: man kann das Kleid vorab probieren, um festzustellen, ob die Weite in Ordnung ist. Denn wenn der Schnitt vorher mit einem dünnen Jerseystoff gut gepasst hat heißt es noch lange nicht, dass er mit dem dicken Strickstoff genauso gut sitzt. Ich selber stecke die Stecknadeln erst mal längs, um den Sitz des Kleides zu probieren. Heften ist mir bei dem dicken Strickstoff (auch mit der Maschine) zu müßig, da der voluminöse Stoff den Faden „verschluckt“ und ich nachher zu viel Arbeit mit dem Auftrennen habe. Ich nehme dabei in Kauf, dass die eine oder andere Nadel bei der Anprobe verlorengeht oder in meiner Haut stecken bleibt. Aber ich probiere ein zugeschnittenes Teil immer vor dem Zusammennähen an, denn das Risiko des Auftrennens steht in keinem Verhältnis zu den paar Minuten Zeitaufwand der Anprobe.

Die Teile können mit leichtem Zickzackstich zusammengenäht werden soweit man keine Overlock-Maschine besitzt. Der Zickzack-Stich ist notwendig, um dem insgesamt elastischen Stoff mit auch dehnbaren Nähten elastisch zu halten, er  sollte aber nicht zu groß sein, sonst entstehen zwischen den Stichen unschöne Lücken, die wie Löcher aussehen.

strickkleid-naehen (14)Jeder der beiden Ärmel wird ebenso in der Seitennaht geschlossen, also zusammengenäht. Der Ärmel wird auf die rechte Seite gewendet, das Kleid, bestehend aus zusammengenähtem Vorder- und Rückenteil, bleibt auf der linken Seite. Nun wird der Ärmel durch das Armloch in das Kleid geschoben, so dass Kleid und Ärmel rechts auf rechts zusammenliegen. Die Armkugel wird im unteren Bereich, wo die Seitennaht beginnt, an die Seitennaht des Kleides gesteckt, mit einer Stecknadel. Ebenso wird die obere Spitze der Kugel, die ich hier schon mit einer roten Stecknadel markiert habe, am Ende der Schulternaht festgesteckt.

 

strickkleid-naehen (13)Zwischen diesen beiden Punkten wird die überschüssige Weite des Ärmels noch schön verteilt, etwas mehr im oberen Ärmelbereich und mit ein paar Stecknadeln festgesteckt, immer schön quer, damit beim Nähen nachher die Maschinennadel nicht darauf trifft.

Mit einiger Übung kann man die überschüssige Ärmelweite direkt beim Nähen einhalten, als Anfänger kann man den Ärmel aber auch erst mal mit einem Reihgarn /Heftfadenmit großen Stichen einhalten und leicht zusammenziehen, also raffen, bis er die Weite des Armloches hat.

 

strickkleid-naehen (15)Der eingenähte Ärmel wird nun schön gebügelt. Damit die Rundung der Armkugel nicht plattgedrückt sondern in ihrer Form unterstützt wird empfiehlt es sich mit einem kleinen Hand-Bügelkissen zu arbeiten

 

strickkleid-naehen (17)oder, noch professioneller, mit einem Achselbock. Der Vorteil dieses Utensils ist, dass das Nähgut herunterhängen kann und die Gefahr, einen Teil des Kleidungsstückes mit zu bügeln, ungewollte Falten, vermieden wird.

Erst wird die Naht auseinandergebügelt, dann, wer den Ärmel besonders schön haben mag, bügelt die beiden Nahtzugaben im Schulterbereich nochmals zum Ärmel hin, dadurch steht der Ärmel er ein wenig höher als die Schulter.

Jetzt braucht der Halsausschnitt noch einen Beleg. Weil ja kein Kragen angenäht wird würde sonst der Halsausschnitt ausfransen. Man könnte die Nahtzugabe einfach umlegen und festnähen. So ein knapper Umschlag bei einem sehr dehnbaren Strickstoff müsste aber mit einem Einlageband, zB. Formband oder Framilonband eingehalten werden, damit er sich nicht stark ausdehnt. Bei so einem weiten Carmen-Kragen besteht schon so die Gefahr des Ausdehnens mit dem Effekt, dass das Vorderteil nicht schön am Körper anliegt, sondern nach vorne wegklafft.

 

strickkleid-naehen (18)Ein in der Form des Ausschnittes geschnittener Beleg ist da schon die bessere Alternative. Allerdings würde ein Beleg aus dem gleichen Material hier, bei dem dicken Strickstoff, zu sehr auftragen, daher wähle ich ein Stück passenden dünnen schwarzen Jersey aus meinem Fundus. Ein Stoff, den ich immer reichlich auf Lager habe, es gibt immer wieder Einsatzbereiche dafür. Er gehört für mich zur Grundausstattung, wie Gummiband in verschiedenen Breiten, Satin-Aufhängerband, ein paar Knöpfe, Fixiereinlagen, schwarze und weiße Reißverschlüsse und ein paar Farben Nähgarn.

 

strickkleid-naehen (19)Ich schneide also für das Vorderteil wie auch das Rückenteil einen Beleg nach dem gleichen Schnitt wie den Ausschnitt des Kleides zu, indem ich den Schnitt auflege, die Nahtzugabe an Schulter und Hals abzeichne und ihn dann ca. 6 cm breit zuschneide. (Über dem Rückenteil sieht man auf dem Bild oben den fertigen Beleg des Vorderteiles)

 

strickkleid-naehen (20)Mit je 1 Stecknadel bezeichne ich die vordere und hintere Mitte VM und HM am Kleid und am Beleg und lege die Belege rechts auf rechts auf die passende VM und HM des Kleides. Aufpassen, dass sie nicht verwechselt werden.

 

strickkleid-naehen (28)Bevor ich jetzt den Beleg aufnähe stecke ich noch Framilonband  auf meinen Ausschnitt und halte dabei gleich den Ausschnitt ein wenig ein, damit ich ihn nicht noch mit dem Aufnähen des Bandes ausweite. So ca. 2-4 cm des Ausschnittes sollten bei so einem weiten Carmen-Ausschnitt schon eingehalten werden, damit er nachher nicht wegklafft. Damit das Framilonband mir beim Nähen nicht wegrutscht nähe ich es vorab mit leichtem Zickzack-Stich auf. Formband hätte jetzt den Vorteil, dass man es aufbügeln kann und daher nicht extra aufnähen muss, das Framilon-Band ist aber dehnbarer und ich möchte so viel Ausschnitt einhalten, damit er auf keinen Fall wegklafft, dass ich in Kauf nehme, dass der Ausschnitt nachher enger ist als es den Maßen entspricht und er erst durch das Tragen auseinandergespannt wird und schön anliegt. Bei dem steiferen Formband würde ich hier Gefahr laufen, wenn der Ausschnitt enger als der Rest des Kleides ist, einen kräuselnden Ausschnitt zu erhalten.

strickkleid-naehen (21)Ich könnte auch erst die Belege in ihren Seitennähten zusammennähen und diesen fertigen Kreis auf den Ausschnitt legen und nähen.

 

 

strickkleid-naehen (22)

Ich ziehe es aber vor, die Beläge erst im Vorder- und Rückenteil bis fast zur Schulternaht anzunähen und erst zuletzt zu schließen, wenn ich sehe wieviel überschüssigen Stoff ich für die Schulternähte habe. So passt der Beleg besser. Der Beleg wird dann nach innen geklappt und eingebügelt. Die Naht sollte 2-3 mm nach innen gebügelt werden, damit der Beleg außen nicht sichtbar wird.

 

 

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Den fertig angenähten Beleg befestige ich mit ein paar Stichen im unteren Bereich am Oberstoff, damit er sich nicht rausstülpt.

 

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Wenn der Beleg fertig ist kommen nur noch die Bündchen an Ärmel- und Kleidersaum. Alternativ könnte ich hier natürlich einfach 3-4 cm als Saum einklappen und umnähen oder noch schöner bei so einem dicken Strickstoff: auch wieder mit Belegen arbeiten, damit der Saum sich nicht unschön nach außen wölbt, aufträgt. Aber ich habe ja die Borte und möchte sie auch einsetzen.

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Ich messe die nötige Breite an Bündchen für die Ärmel. Es sollten 2-4 cm weniger sein als die Ärmelweite unten, damit das Bündchen Halt gibt, auch wenn man die Ärmel nach oben schiebt. Diese Stücke schneide ich von der Borte ab, nähe sie zusammen und bügele sie aus.

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Dann wird der Ärmel, der auf rechts gedreht ist, in das Bündchen, das auf links gedreht ist geschoben. Ärmel und Bündchen werden rechts  auf rechts festgesteckt und gesteppt mit leichtem Zickzack-Stich. Wer eine Overlock-Maschine hat, kann das schön mit dieser machen. Aufpassen, dass das Bündchen dabei nicht verdehnt wird, gegebenenfalls auch vorher ein Framilon-Band befestigen.

 

strickkleid-naehen (30)

Jetzt wird ein Stück Borte ebenso an den Saum genäht wie beim Ärmelbündchen, das heißt auch 2-4 cm enger als die Saumweite des Kleides, damit die Borte nicht absteht bzw. das Kleid an der Borte „implodiert“, nach innen beult. Vorher sollte das Kleid nochmals probiert werden. Eventuell ist die Länge noch einzukürzen, bevor die Saumborte angenäht wird.

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6 Gedanken zu „Strickkleid schnell und einfach: Schnittkonstruktion und Näh-Tutorial

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